Die (neue) EQE [Sonderfolge #2]

Shownotes

In dieser Sonderfolge des ip courses Podcasts besprechen Michael Stadler und Fabian Haiböck die neue europäische Eignungsprüfung (EQE), die 2027 zum ersten Mal vollständig nach dem neuen Modus abgehalten wird. Dabei geben Sie einen Überblick über den zeitlichen Ablauf, die einzelnen Prüfungsmodule und den Prüfungsmodus. Abschließend tauschen alle vier Podcaster ihre persönlichen Erfahrungen aus den eigenen Prüfungen aus, um einen Einblick in die letzten 15 Jahre der EQE zu geben.

Ablauf der Prüfung

Variante 1: modularer Aufbau

  • nach einem Jahr: Grundlagenaufgabe F1 & F2
  • nach zwei Jahren: Module M1 & M2
  • nach drei Jahren: Module M3 (M3.1, M3.2 und M3.3) & M4

Module M1&M2 können erst abgelegt werden, wenn F1 & F2 bestanden wurden.

Variante 2: gedrängter Aufbau

  • nach drei Jahren: Module M1, M2, M3 und M4

Werden alle Teile bestanden, müssen F1 & F2 nicht abgelegt werden. Ansonsten gibt es je nach nicht bestandenem Teil auch die Verpflichtung die Grundlagenaufgaben F1 & F2 nachträglich abzulegen.

Alle Prüfungen werden online im WISEflow System, einem Lockdown Browser, absolviert, wobei die Prüflinge online von einer KI und Prüfungsaufsichtspersonen überwacht werden.

Module im Vergleich zu früher

Die “Foundation Papers” oder Grundlagenaufgaben F1 und F2 entsprechen im Wesentlichen der alten Vorprüfung: keine Freitext Fragen, sondern computergestützte Aufgaben, insbesondere wahr/falsch Fragen. In F1 werden Rechtsfragen geprüft, während in F2 die Analyse von Anspruchssätzen und Stand der Technik abgefragt wird.

Das Modul M1 entspricht von der Aufgabe her einem abgespeckten alten B-Teil (Bescheidserwiderung), gliedert sich aber in einen ersten Teil mit computergestützen Aufgaben und einen zweiten Freitext-Teil. Beide Teile müssen separat bestanden werden, um das Modul positiv zu absolvieren.

Das Modul M2 entspricht im Wesentlichen dem alten D1 Teil (kurze Rechtsfragen), ist jedoch auch in einen ersten Teil mit computergestützten Aufgaben und einen zweiten Teil mit Freitext Fragen untergliedert. Auch hier müssen beide Teile separat bestanden werden, um das Modul positiv zu absolvieren.

Das Modul M3 umfasst drei Aufgaben, die im Wesentlichen den alten Teilen A, B und C entsprechen: In M3.1 (früher Teil A) muss ein Anspruchssatz ausgearbeitet werden, in M3.2 (früher Teil B) ein gewährbarer Anspruchssatz im Rahmen des Prüfungsverfahrens vom Stand der Technik abgegrenzt werden und in Teil M3.3 (früher Teil C) muss ein Patent angegriffen werden. Auch hier wird das Modul M3 nur bestanden, wenn alle Teile separat bestanden werden. Für die einzelnen Teilmodule steht deutlich weniger Zeit zur Verfügung als für die alten Teile, sodass wesentlich weniger komplexe Fragestellungen abgeprüft werden können. Eine Kompensation zwischen den Teilmodulen ist nicht möglich.

Das Modul M4 entspricht im Wesentlichen dem alten D2 Teil (Rechtsgutachten).

Feedback & Hörerfragen

Wenn Sie uns Feedback geben möchten oder falls Sie Fragen zu den vorgestellten Entscheidungen bzw. den diskutierten Rechtsgebieten haben, die wir vielleicht in einer Folge diskutieren können, schreiben Sie uns an podcast@ipcourses.org. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören!

Transkript anzeigen

00:00:03: Willkommen beim IP-Courses-Podcast,

00:00:06: dem Podcast für europäisches Patentrecht.

00:00:10: Heute machen wir mal was anderes in unserem Podcast und zwar werden wir uns mit der neuen

00:00:14: EQE beschäftigen.

00:00:15: Und da freut es mich ganz besonders, den Fabian Haiböck heute dabei zu

00:00:19: haben,

00:00:19: denn der Fabian Haiböck ist Tutor bei CP und damit bestens geeignet,

00:00:24: Studierenden

00:00:25: unseres wunderbaren Berufsstandes zu erklären,

00:00:28: worum es denn dabei geht, einerseits inhaltlich,

00:00:31: aber auch, und das wollen wir uns in der heutigen Folge anschauen, formal,

00:00:34: wie also das Prozedere

00:00:36: ausschaut,

00:00:36: um letztendlich Vertreter vom Europäischen Patentamt zu werden.

00:00:40: Schön, dass du da bist, Fabian.

00:00:41: Hallo Michael,

00:00:42: danke für die Einladung.

00:00:43: Dann würde ich gerne als jemand, der diese Prüfung auch vor vielen, vielen Jahren gemacht

00:00:47: hat, gerne erfahren,

00:00:48: wie schaut es denn heute aus,

00:00:50: wie schaut es denn im Jahr 2027 aus,

00:00:53: wo sich ja doch einiges geändert hat.

00:00:55: Ja, grundsätzlich hat sich sehr viel geändert, gleich geblieben ist,

00:00:59: unter welchen Voraussetzungen man überhaupt zur EQE antreten darf.

00:01:03: Und das ist ganz wesentlich,

00:01:05: dass man da ein natur- oder ingenieurwissenschaftliches Studium hat.

00:01:09: Es

00:01:09: genügen allerdings drei Jahre dieses Studiums.

00:01:13: Das

00:01:13: ist einmal sozusagen die Hochschulseite.

00:01:16: Auf

00:01:16: der anderen Seite ist auch die Praxis nach wie vor relevant,

00:01:20: wobei jetzt, und das ist der erste Unterschied,

00:01:22: man die erste Prüfung bereits nach dem Abschluss eines Jahres Praxiserfahrung durchführen kann.

00:01:28: Das heißt, du hast die Hochschule absolviert,

00:01:31: bist dann ein Jahr in der Praxis bei einem Kollegen, einer Kollegin und dann kannst oder musst du bereits zum ersten Mal zur Prüfung antreten.

00:01:41: Welche Art von Prüfung hat man denn so nach einem Jahr?

00:01:44: Also die Prüfung hat den klingenden Namen Prüfung F,

00:01:49: neben den weiteren M-Prüfungen, die es dann noch gibt.

00:01:52: Und das ist im Prinzip sehr, sehr ähnlich.

00:01:54: Einige von unseren Hörerinnen und Hörern kennen es vielleicht,

00:01:58: die Vorprüfung.

00:01:59: Also es mutet schon sehr wie die Vorprüfung an.

00:02:02: Das heißt,

00:02:03: tatsächlich selber schreiben,

00:02:05: wie man das aus den A-, B-

00:02:06: und C-Teilen kennt, muss man da nicht.

00:02:08: Vielmehr wird da im Wesentlichen die erste Kompetenz geprüft,

00:02:13: mit einerseits dem EPÜ umzugehen.

00:02:17: Das wird üblicherweise mit so Drag-and-Drop- und True-or-False-Fragen beantwortet,

00:02:22: sprich,

00:02:23: ist Spanisch eine Amtssprache des EPA etc.

00:02:27: Das heißt, man muss mit den Rechtstexten umgehen können und dann auf einfache Art und Weise

00:02:31: dies per Klick beantworten können.

00:02:34: Das ist so der erste Teil, also auch dieser F-Teil ist nun einmal unterteilt in zwei verschiedene Teile.

00:02:39: Und der zweite Teil,

00:02:40: der beschäftigt sich dann eher mit der Anspruchsanalyse.

00:02:45: Sprich, man hat da eine kurze Beschreibung der Erfindung und man wird dann geprüft,

00:02:50: ob denn der Anspruch,

00:02:52: der sich jetzt auf diese Erfindung bezieht,

00:02:54: beispielsweise den Erfordernissen der Klarheit genügt,

00:02:57: oder ob denn dieser Anspruch ein Vorrichtungsanspruch oder ein Verfahrensanspruch ist.

00:03:02: Solche Dinge werden da abgeprüft.

00:03:04: Aber man muss sagen,

00:03:05: ich habe jetzt wahrscheinlich eher leichte Fragen genannt, da geht es durchaus dann schon ein bisschen komplexer zu.

00:03:11: Also geschenkt ist die Prüfung nicht.

00:03:13: Du hast erwähnt,

00:03:14: dass man da ankreuzelt oder anklickt.

00:03:18: Die Älteren unter uns haben diese Prüfung ja tatsächlich noch vor Ort in einer großen Halle in München mit Papier und Bleistift gemacht.

00:03:26: Anklicken ging da aber nicht.

00:03:27: Die Prüfung ist ja seit dieser Pandemie, die da vor ein paar Jahren war,

00:03:32: online.

00:03:33: Kannst du uns da vielleicht erzählen, wie ist es dazu gekommen und warst du vielleicht auch betroffen?

00:03:39: Nicht nur die Prüfung ist online tatsächlich,

00:03:41: alle folgenden Teile sind ebenfalls online.

00:03:44: Und ja, auch ich habe diese Prüfung online absolviert.

00:03:48: Also nicht den F-Teil, aber die damalige Vorprüfung.

00:03:51: Sehr, sehr ähnliches Format.

00:03:52: Und ich muss sagen, gerade für eine solche Prüfung, wo es ja hauptsächlich um Ankreuzen geht oder wo man gewisse Textbausteine jetzt per Drag-and-Drop in vorformulierte Absätze reinzieht, ist es schon durchaus in Ordnung, das online in diesem Format zu machen.

00:04:10: Es gibt da eine eigens dafür entwickelte Plattform, heißt WISEflow.

00:04:14: Das EPA hat aus meiner Sicht schon sehr viel Entwicklungszeit reingesteckt,

00:04:17: sodass das Prüfungserlebnis relativ okay ist.

00:04:20: Also man muss sich jetzt nicht vorwiegend mit den technischen Eventualitäten beschäftigen,

00:04:25: sondern man kann sich auch wirklich auf die Materie konzentrieren.

00:04:28: Da würde mich noch rein praktisch interessieren, wie vermeiden die denn eigentlich, dass jemand schummelt?

00:04:32: Also ich kann mich erinnern, ich bin in einer großen Messehalle in München gesessen,

00:04:36: da war das mucksmäuschenstill,

00:04:37: vorher wurdest du kontrolliert,

00:04:39: da war relativ einfach sicherzustellen, dass man nicht schummelt, außer man schaut vom Nachbarn ab.

00:04:43: Aber stell dir mal jetzt vor, wenn ich da in meinem Büro sitze und vielleicht sogar in der Arbeit bin,

00:04:49: wie vermeidet man denn,

00:04:50: dass da jemand sich jetzt helfen lässt oder andere Hilfsmittel verwendet, die vielleicht nicht zugelassen sind?

00:04:56: Also natürlich ist verpflichtend,

00:04:58: dass man eine Kamera frontal vor sich aufgestellt hat,

00:05:02: beziehungsweise die integrierte Kamera.

00:05:05: Einerseits wirst du per künstlicher Intelligenz observiert und andererseits gibt es tatsächlich Leute,

00:05:13: die dich auch beobachten,

00:05:14: ich gehe davon aus, auch mit Unterstützung dieser künstlichen Intelligenz,

00:05:18: die würden dich anschreiben,

00:05:20: wenn sie merken, dass sich die Augen und die Pupillen

00:05:22: regelmäßig in ungewohnter Weise nach rechts oben oder links oben oder was auch immer bewegen.

00:05:28: Ich glaube,

00:05:30: dass es nicht unmöglich ist,

00:05:32: da irgendwie zu tricksen,

00:05:34: was man aber schon merkt durch die sehr, sehr kurz getaktete Prüfungszeit.

00:05:39: Man hat nicht wirklich viele Möglichkeiten,

00:05:41: sich einen Vorteil zu erschummeln, zu erhaschen,

00:05:45: weil wirklich das ist so eng getaktet.

00:05:47: Du kannst das oder du kannst das nicht.

00:05:49: Es wird nichts bringen, dass ich da irgendwie, wenn ich einen anderen fragen muss,

00:05:51: wie es bei dieser Frage ist und dann auf die Lösung antworten.

00:05:55: Dafür sind einerseits die Lösungsaufgaben zu klein, zu wenig wertvoll

00:06:00: und andererseits ist die Zeit, wie gesagt,

00:06:02: zu kurz.

00:06:03: Gibt es eigentlich die Möglichkeit, kurz rauszugehen?

00:06:05: Ja,

00:06:06: man schreibt an eine Aufsichtsperson,

00:06:08: dass man kurz aufs WC muss und man muss dann auf die Bestätigung warten, so war es bei mir.

00:06:13: Und dann meldet man sich zurück.

00:06:14: Das heißt, man wird da also ständig beobachtet.

00:06:17: So wie ich es kenne, also ich habe zu meiner Prüfung, wo ich nach München gefahren bin, jede Menge Bücher mitgehabt. Ist das weiterhin erlaubt?

00:06:24: Bücher auf jeden Fall. Dazu kommt jetzt natürlich der Vorteil, man arbeitet am Computer und ich glaube, da ist das EPA auch ein bisschen zeitgemäßer geworden.

00:06:31: Man hat auch ein gewisses Repertoire an digital zur Verfügung stehenden Unterlagen.

00:06:36: Man kann jetzt nicht beliebig auf jeder Internetseite surfen,

00:06:40: ganz im Gegenteil.

00:06:41: Man ist im sogenannten Lockdown-Browser und der ist gesperrt für nur eine ganz vorbestimmte Auswahl an Internetseiten.

00:06:49: Man kann auf diese EPA-Seite zugreifen.

00:06:53: Bei mir war es so,

00:06:55: dass bis zu einem ziemlich knappen Zeitpunkt vor der Prüfung nicht sicher war,

00:07:01: ob man auf die PCT-Unterlagen zugreifen hat können.

00:07:04: Das heißt, da hat dann immer Unsicherheit bestanden,

00:07:08: weswegen ich und auch alle anderen meiner Prüfungskolleginnen und Kollegen

00:07:13: alles im Wesentlichen in doppelter Ausführungsform gehabt haben.

00:07:15: Das heißt, wir haben das geprintet gehabt und auch digital.

00:07:19: Ich arbeite jetzt auch noch ganz gerne mit ausgedruckten Sachen.

00:07:22: Es ist durchaus praxisnah,

00:07:23: dass man da eine gewisse Hybrid-Anwendung der Rechtstexte vornehmen kann.

00:07:28: Okay, also wir sehen, die Durchführung der europäischen Eignungsprüfung ist irgendwie im 21.

00:07:33: Jahrhundert angekommen.

00:07:35: Warum kann man denn schon nach einem Jahr überhaupt zur Prüfung antreten?

00:07:39: Da merkt man das Bestreben des EPA in Richtung einer zeitlichen Entzerrung, würde ich sagen.

00:07:45: Früher gab es A-, B-, C-

00:07:46: und D-Teile, die hat man alle auf einmal machen dürfen innerhalb von einer Woche in München.

00:07:51: Und jetzt ergibt sich da wirklich schon eine ganze Latte an unterschiedlichsten Prüfungen,

00:07:56: die im Verlauf von drei Jahren gemacht werden können.

00:08:00: Ich bin mir nicht sicher,

00:08:02: ob es dieser zeitlichen Entzerrung bedarf,

00:08:05: aber ich glaube, ein Grund dahinter könnten schon unter Umständen gewisse Stakeholder,

00:08:11: beispielsweise wenn man nach Deutschland schaut,

00:08:14: sein,

00:08:15: die haben die EQE-Prüfung fast zeitgleich wie die Prüfung zum deutschen Patentanwalt.

00:08:22: Ich könnte mir vorstellen, dass da ein bisschen eine Vorverlagerung zumindest für gewisse Nationen angenehm ist.

00:08:29: Ob das für die österreichischen Kandidaten auch so ein Vorteil ist, das mag ich doch sehr zu bezweifeln.

00:08:36: Gut,

00:08:36: angenommen,

00:08:37: ich habe diesen Teil F der Prüfung jetzt geschafft.

00:08:40: Wie geht es weiter?

00:08:42: Dann gibt es die nächste Hürde,

00:08:44: nämlich M1 und M2.

00:08:47: M2 ist für unsere Zuhörerinnen,

00:08:49: die die Prüfung gemacht haben,

00:08:51: ziemlich einfach zu erklären.

00:08:53: Das ist im Wesentlichen der D-Teil 1,

00:08:56: also wo es wirklich darum geht,

00:08:59: Fragestellungen bezüglich des EPÜ beziehungsweise bezüglich des PCT zu beantworten,

00:09:03: sehr theoretischer Natur.

00:09:05: Also ich weiß nicht, wie es bei dir war.

00:09:07: Mein D-Teil hat zwei Teile gehabt,

00:09:08: den D1-Teil,

00:09:10: eben einfache Fragen

00:09:11: oder mehr oder weniger einfache Fragen zu beantworten.

00:09:14: Der D2, das war ein komplexeres Problem.

00:09:17: Man versucht,

00:09:17: ein bisschen näher am Beratungsberuf heranzutreten.

00:09:22: Da kommt ein Mandant, der hat Probleme,

00:09:24: der hat irgendwas entwickelt und es gibt Konkurrenten.

00:09:26: Und im Endeffekt, die Lösung ist dann jedes zweite Mal eine Kreuzlizenz.

00:09:31: Und dieser M2-Teil,

00:09:33: der ist im Wesentlichen analog zum D1-Teil.

00:09:36: Also theoretische Fragen werden anhand der Rechtstexte beantwortet.

00:09:41: Genau, also so ungefähr so ein Fünfzeiler,

00:09:43: wo du irgendeinen Sachverhalt kriegst,

00:09:45: idealerweise mit einer Fristberechnung.

00:09:47: Immer dabei.

00:09:48: Immer dabei und vielleicht ein älteres Recht, ein Prioritätsrecht, das nicht hält,

00:09:52: aber relativ komprimiert und relativ auf ein bis zwei Knackpunkte reduziert.

00:09:57: Die musst du finden, dann kriegst du die Punkte.

00:09:59: Genau, so ist es.

00:10:00: Genau,

00:10:00: das heißt jetzt M2.

00:10:02: Das heißt jetzt M2,

00:10:03: genau.

00:10:03: Und was ist M1?

00:10:04: M1 ist, und das ist für mich eigentlich das größte Fragezeichen, warum man sich da gedacht hat, dass man das noch unbedingt braucht,

00:10:11: das ist wieder eher in Richtung Anspruchsanalyse.

00:10:15: Da hat man eine Erfindungsbeschreibung,

00:10:18: da werden einem geänderte Ansprüche mitgeschickt

00:10:20: und dann hat man Fragen vom Mandanten und einen Recherchenbericht.

00:10:24: Und was man jetzt machen muss, ist im Wesentlichen den Anspruchssatz so ändern,

00:10:31: dass er die Vorbehalte aus dem Recherchenbericht ausräumt.

00:10:36: Einen neuen Anspruchssatz vorlegen und dann ganz kurz erklären, warum denn dieser neu sei,

00:10:40: warum denn dieser auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhe.

00:10:43: Und im Wesentlichen ist es,

00:10:45: wenn man es sich so ganz grob anschaut,

00:10:47: wie ein abgespeckter B-Teil, der dann sowieso ein Jahr drauf nochmal im Rahmen vom M3 kommt.

00:10:53: Das ist dann aus meiner Sicht durchaus eine Redundanz.

00:10:58: Warum es den braucht,

00:11:00: das habe ich noch nicht wirklich verstanden,

00:11:03: aber ich muss nicht alles verstehen.

00:11:05: Und dieser M1-Teil hat wieder zwei Teile.

00:11:08: eben diesen freien Teil,

00:11:09: wie dieser abgespeckte B-Teil ist,

00:11:11: und wieder zur Vorprüfung sehr ähnlicher,

00:11:14: verklausulierter Teil,

00:11:15: wo es wieder darum geht, da ist ein Anspruch,

00:11:17: ist denn dieser Anspruch neu gegenüber einem D1?

00:11:21: Und der D1 ist ein ganz kurzer Absatz.

00:11:23: Man will überprüfen,

00:11:24: ganz kurze Analyse-Skills, was ist Neuheit, was ist erfinderische Tätigkeit.

00:11:29: Aber auch 123(2): Gibt es eine Änderung, überschreitet das die ursprüngliche Offenbarung,

00:11:34: wieder eher verklausuliert.

00:11:36: Das heißt, das Europäische Patentamt hat mit diesem WISEflow dann natürlich ein Tool eingekauft, mit dem man gut Kreuzerltests umsetzen kann.

00:11:43: Und das nutzt man halt dann auch in gewisser Weise aus, weil es halt mit dem System gut abbildbar ist.

00:11:48: Und es lässt sich automatisch bewerten.

00:11:50: Das ist auch meine Vermutung, ja.

00:11:51: Gut,

00:11:52: okay.

00:11:52: Das heißt, wenn wir den vorgeschlagenen oder regulären Durchlauf jetzt weitergehen.

00:11:56: Wir haben nach einem Jahr den F-Teil geschafft,

00:11:58: nach dem zweiten Jahr den Teil M1 und M2.

00:12:02: Dann sind wir jetzt im dritten Jahr und hoffentlich dem letzten Jahr unseres Prüfungszyklus.

00:12:07: Genau so ist es.

00:12:08: Das ist ja meine eigentliche Kompetenz, weil, wie gesagt, ich bin Tutor für diesen M3.1- und M3.2-Teil,

00:12:16: weil ich früher Tutor für A und B war und man sieht schon deutlich diesen Konnex zu diesen zwei Teilen.

00:12:22: Also was jetzt gemacht worden ist: Es ist ABC in einen gemeinsamen M3-Teil gegossen worden,

00:12:30: wobei dieser M3-Teil erst recht wieder aufgeteilt worden ist, nämlich in den M3.1 für A,

00:12:35: M3.2 für B und M3.3 für C.

00:12:40: Jetzt wird wahrscheinlich jeder, der die europäische Eignungsprüfung davor gemacht hat, genau wissen,

00:12:46: worum es da geht.

00:12:47: Aber für die, die vielleicht noch neu sind, kannst du uns erklären, was M3.1,

00:12:51: M3.2 und M3.3 jetzt genau beinhalten?

00:12:54: Das mache ich sehr gerne.

00:12:55: Dieser M3.1-Teil, der soll die Skills des Anwärters oder des Prüflings überprüfen,

00:13:01: eine Erfindung zu analysieren und einen Anspruchssatz zu formulieren,

00:13:05: der gegenüber einem vorbekannten Stand der Technik neu ist und im Idealfall auch erfinderisch.

00:13:12: Und dabei soll er die formalen Kriterien,

00:13:16: die das EPÜ verlangt, natürlich auch beachten.

00:13:18: Das heißt, man soll einen klaren, einen einheitlichen Anspruchssatz formulieren.

00:13:23: Und dann noch eine kurze Beschreibungseinleitung.

00:13:26: Das war früher ganz unwichtig.

00:13:27: Wie gesagt,

00:13:28: ich selber mache solche Prüfungen,

00:13:31: zumindest zu Übungszwecken

00:13:33: und sehe mir dann auch immer die Bewertungen an.

00:13:36: Und man merkt schon,

00:13:37: dass auch dieser Teil bezüglich der Beschreibungseinleitung

00:13:41: und der kurzen Erklärung der technischen Wirkungen zu den abhängigen Ansprüchen

00:13:46: immer wichtiger wird und durchaus mit relevanten Punkten belohnt wird.

00:13:49: Das ist dieser A-Teil.

00:13:51: Das ist verständlich. Die Rechtsprechung geht ja auch ein wenig in die Richtung, dass die Beschreibung immer wichtiger wird.

00:13:56: Das heißt, es macht durchaus Sinn,

00:13:57: hier die Beschreibung etwas mehr zu bepunkten, finde ich zumindest sinnvoll.

00:14:02: Was ist denn jetzt konkret M3.2 oder was früher der B-Teil war?

00:14:07: Der B-Teil soll im Wesentlichen die Praxis in der Bescheidserledigung abbilden.

00:14:15: Das heißt,

00:14:16: man hat einen gegebenen Anspruchssatz,

00:14:18: man hat eine Stellungnahme über die Recherche bzw.

00:14:22: einen Prüfungsbescheid vom EPA

00:14:25: und in dem steht in aller Regel,

00:14:27: dass der Anspruchssatz oder die Ansprüche nicht neu sind bzw.

00:14:30: nicht erfinderisch.

00:14:31: Es gibt da unterschiedliche Dokumente, die den Stand der Technik darstellen und man muss jetzt einen Anspruchssatz abändern.

00:14:39: Natürlich in Anwendung des Artikels 123(2),

00:14:43: das heißt, die Änderungen sollen ursprünglich offenbart sein

00:14:46: und die Änderungen sollen zu einem neuen und zu einem erfinderischen Anspruchsgegenstand führen.

00:14:51: Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, war,

00:14:54: da hat man regelmäßig vom Mandanten

00:14:55: ein durchaus ausführliches Schreiben bekommen.

00:14:58: Der hat sogar einen ersten Vorschlag über eine Änderung des Anspruchssatzes mitgeschickt.

00:15:03: Das ist jetzt nicht mehr der Fall.

00:15:05: Die Prüfung wird kürzer,

00:15:07: wesentlich unkomplexer.

00:15:09: Das heißt,

00:15:09: im Endeffekt wird es zu erwarten sein, dass man drei, vier Ansprüche hat und die darf man dann selbst ändern, ohne irgendwie Vorschläge jetzt großartig von dem Mandanten mit einzubeziehen.

00:15:20: Dokumente kombinieren, um den Anspruchssatz zu zerstören.

00:15:24: Das ist natürlich ein wichtiger Punkt, eine Anmeldung so zu verteidigen, dass das im Endeffekt patentierbar ist.

00:15:30: Es gibt da relativ viele T-Entscheidungen und die kommentieren wir auch in unserem Podcast.

00:15:34: Also auch sehr gut,

00:15:36: dass dieser Teil weiterhin geprüft wird.

00:15:39: Wie schaut es jetzt mit dem letzten Teil, dem M3.3-Teil aus?

00:15:43: Wir haben jetzt sehr viel verteidigt.

00:15:45: Umgekehrt wollen wir natürlich auch mal Patente angreifen und zerstören.

00:15:48: Und genau das wird im Teil M3.3 überprüft.

00:15:52: Viele unter den Zuhörerinnen und Zuhörern kennen den Teil wahrscheinlich nur unter den klassischen, Angst und Schrecken verbreitenden C-Teil.

00:16:01: Gut,

00:16:02: das heißt also, wir haben unsere bisherigen Prüfungsteile A zum Formulieren von Patentansprüchen,

00:16:07: B zum Ändern einer Anmeldung im Anmeldeverfahren und C für den Einspruch praktisch in einem Teil integriert.

00:16:15: Das ist ja jetzt relativ viel Umfang.

00:16:17: Ich kann mich erinnern, das hat bei meiner Prüfung zumindest zwei Tage gedauert.

00:16:22: Wie schaut es hier jetzt aus?

00:16:24: Also was man merkt,

00:16:26: ist,

00:16:26: dass sich auch das EPA dessen bewusst ist,

00:16:28: dass schon ganz schön viel Prüfungsumfang ist.

00:16:30: Und das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür,

00:16:33: dass dieser M3.1-,

00:16:34: M3.2- und M3.3-Teil von der Komplexität schon deutlich reduziert wurde.

00:16:42: Das heißt,

00:16:42: einerseits die einzelnen Prüfungen dauern nicht mehr so lang,

00:16:46: andererseits der Umfang der notwendigen Skills,

00:16:51: der Änderungen,

00:16:52: der Komplexität ganz allgemein, der wurde da auch reduziert.

00:16:56: Das heißt, man rechnet dann wirklich nicht mehr mit sechs oder sieben Ansprüchen beim B-Teil beispielsweise,

00:17:01: sondern nur mit drei Ansprüchen für weniger Probleme,

00:17:05: weniger Komplexität.

00:17:06: Wenn ich jetzt mir das alte System mit dem neuen vergleiche, dann fehlt mir eigentlich noch der D2-Teil,

00:17:12: nämlich die große Analyse eines komplexeren rechtlichen Falls mit idealerweise Empfehlungen an den Mandanten.

00:17:19: Kommt der auch noch vor?

00:17:20: Der kommt auch noch vor und das ist der M4-Teil.

00:17:24: Also dieser damalige D-Teil wird sozusagen aufgesplittet, der erste Teil nach zwei Jahren und der zweite Teil nach drei Jahren.

00:17:33: Und da soll es jetzt darum gehen,

00:17:35: wirklich komplexere Sachverhalte zu lösen. Man muss weniger ins Technische, in die Anspruchsanalyse gehen.

00:17:44: Wenn man sich da noch erinnert, da gibt es wohl irgendwelche Vorrichtungen mit dem Merkmal A und mit dem Merkmal B

00:17:49: und dann gibt es irgendwo einen Gegner, der hat aber die Vorrichtung schon vorveröffentlicht.

00:17:52: Allerdings nur das Merkmal A,

00:17:55: also auf dieser technischen Komplexität bewegen wir uns.

00:17:58: Dafür wird es rechtlich und im Hintergrund viel komplexer und ich würde sagen,

00:18:02: es gibt durchaus unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten,

00:18:08: wie man an eine positive Note kommen kann.

00:18:11: Und im Endeffekt wird es notwendig sein, einen Zeitstrahl aufzuzeichnen, wo man die verschiedenen Veröffentlichungen, die verschiedenen Patentanmeldungen aufzeichnet.

00:18:21: Und durch diesen Zeitstrahl muss man sich dann durcharbeiten und dann im Idealfall für den Mandanten noch eine optimale Lösung generieren,

00:18:30: wie er dann dennoch seinen ordentlichen Schutz in den für ihn relevanten Ländern bekommt.

00:18:36: Ich habe mal das Compendium durchgelesen, was für mich neu war, dass auch teilweise das UPC jetzt tatsächlich aktiv zur Lösung herangezogen werden soll.

00:18:47: Das heißt, auch das Einheitspatent kann durchaus mal Teil einer Lösung sein, um beispielsweise einen besonders günstigen Schutz für potenziell relevante Territorien zu bekommen.

00:18:58: Dann darf ich zum Abschluss vielleicht noch darauf hinweisen,

00:19:01: dass wir bei den Shownotes zu diesem Podcast auch auf die entsprechende Webseite des Europäischen Patentamts verweisen,

00:19:08: wo also alle Bestimmungen im Detail aufgeschrieben sind.

00:19:11: Da findet man dann zum Beispiel auch noch die durchaus komplexe Übergangssituation,

00:19:17: also die Frage, wie man von den einzelnen ursprünglichen A-, B-, C- und D-Teilen jetzt eine Anrechnung auf die neuen Teile kriegt.

00:19:25: Jetzt,

00:19:26: wo wir schon so ausgiebig über die EQE gesprochen haben, würde es mich interessieren,

00:19:30: wie war denn das bei dir damals eigentlich?

00:19:32: Es ist ja so, dass es sich jetzt durchaus schon unterschiedliche Generationen von abgehaltenen Prüfungen ergeben.

00:19:38: Und ich glaube, es ist ganz interessant,

00:19:39: dass man das vielleicht im Nachhinein ein bisschen vergleicht.

00:19:42: Ja,

00:19:42: ich bin der Älteste hier im Raum.

00:19:45: Ich habe die europäische Eignungsprüfung 2010 gemacht.

00:19:48: Und die war noch so richtig oldschool mit Papier und Kugelschreiber in einer großen Messehalle in München.

00:19:53: Wir waren da ungefähr 1000 Leute größenordnungsmäßig und hatten alle einen Tisch einer bestimmten Abmessung.

00:20:00: Und das war ganz interessant,

00:20:01: die Tischmaße, die haben wir uns vorher schon angeschaut,

00:20:04: weil so viel Platz hattest du dann auch zum Trainieren,

00:20:08: damit du deine Unterlagen vernünftig auflegen konntest.

00:20:10: Also das ist mittlerweile schon völlig outdated.

00:20:13: Und dann wurden diese Zettel tatsächlich per Hand übergeben.

00:20:15: Du hast die dann beschrieben.

00:20:17: Und nach etwa zwei Monaten haben wir dann unsere Prüfungsabgaben per Post zugeschickt gekriegt.

00:20:25: Manche sogar mit der Aufforderung, sie mögen doch bitte ihr Geschreibsel schön in Druckschrift abgeben,

00:20:32: auch mit dem Hinweis,

00:20:33: welches Wort genau was bedeutet,

00:20:35: weil es unleserlich war.

00:20:36: Zwei Fragen dazu.

00:20:37: Frage 1, wie bist du da angereist?

00:20:39: Weil das muss ja durchaus eine große Anzahl an Büchern gewesen sein.

00:20:43: Das war eine große Anzahl an Büchern.

00:20:44: Ich habe ungefähr fünf Minuten von diesem Messezentrum gewohnt und bin dann mit einem großen Koffer,

00:20:52: der mit Büchern komplett gefüllt war,

00:20:54: dort hingekommen,

00:20:55: wie tausende andere auch.

00:20:57: Es hat schon ausgeschaut, als würdest du eine Bibliothek ausrauben,

00:21:00: wie du die Leute dort gesehen hast,

00:21:01: die also alle mit ihren Büchern angekommen sind, alle mit dem gleichen Buch im Wesentlichen

00:21:05: und sich dann dort aufgebaut haben und ihre Prüfung geschrieben haben.

00:21:09: Okay,

00:21:09: jetzt wird es wahrscheinlich ein bisschen nerdig, aber das interessiert mich tatsächlich.

00:21:13: Der C-Teil.

00:21:14: Seitdem es dieses WISEflow gibt und diese Tastenkombinationen STRG-C und STRG-V gibt es da extrem effiziente Methoden,

00:21:20: gewisse Ansprüche zu vernichten bzw.

00:21:25: ja,

00:21:26: Informationen rasch wiederzugeben. Wie war das damals bei dir?

00:21:29: Die Vorgehensweise war wirklich oldschool.

00:21:32: Also im Prinzip hast du zuerst einmal beim C-Teil den ganzen Anspruch durchgelesen und auswendig gelernt

00:21:38: und danach bist du Anspruch für Anspruch durchgegangen.

00:21:40: Und es war tatsächlich nur Papier und Bleistift

00:21:42: und

00:21:42: jede Kombination von Anspruch und Stand der Technik

00:21:46: habe

00:21:46: ich eigenhändig notiert

00:21:48: und

00:21:48: mir dann sozusagen eine Liste gemacht und aufgeschrieben, ist

00:21:50: er neuheitsschädlich, ja oder nein, oder

00:21:52: gibt es irgendwas,

00:21:53: von

00:21:54: einer gewissen Position auf der Seite,

00:21:56: sodass,

00:21:56: wenn der letztendlich funktioniert hat, du die entsprechenden

00:21:58: Blätter nicht mehr zusammenlegen hast müssen, um den Neuheits-

00:22:01: oder Angriff wegen mangelnder erfinderischer Tätigkeit aufschreiben zu können.

00:22:04: Aber zum Schnipseln

00:22:05: hast du nicht angefangen, oder?

00:22:06: Ich habe nicht geschnipselt,

00:22:07: Kollegen haben das getan,

00:22:09: meins war es nicht.

00:22:10: Ich habe einfach extrem viel Papier gebraucht dafür.

00:22:14: Der Wald wird es mir verzeihen, aber das war die Methode, die für mich ein bisschen funktioniert.

00:22:19: Auch die wird jetzt online adaptiert und ist auch noch sehr beliebt.

00:22:23: Gut, ich sehe, wir sind mittlerweile mehr geworden.

00:22:26: Wir haben jetzt Lukas Fleischer auch zu Gast.

00:22:29: Lukas, wie war deine Eignungsprüfung?

00:22:30: Ja,

00:22:31: ich bin 2017 zur EQE-Hauptprüfung angetreten,

00:22:35: genau wie der Michael,

00:22:36: auch live in München.

00:22:39: Ich war sogar zweimal dort, weil ich war im Jahr davor zur Vorprüfung und dort war das Schreibutensil tatsächlich ein Bleistift,

00:22:47: der mit genormtem Härtegrad nach der ABVEP mitzubringen war.

00:22:53: Das ist nämlich so, dass man früher diese Multiple-Choice-Antworten auf einem einzigen Antwortblatt anmalen musste.

00:23:00: Also man hat sozusagen die Felder schwarz ausgemalt mit Bleistift, die richtig waren.

00:23:04: Und das war der,

00:23:05: sage ich einmal,

00:23:06: spannendste Punkt an der gesamten Vorprüfung,

00:23:08: das Übertragen deiner Ergebnisse auf den Antwortbogen.

00:23:12: Weil wenn man sich da einmal in der Zeile vertut, dann ist alles falsch.

00:23:16: Also das war bei mir die Vorprüfung.

00:23:18: Wahrscheinlich dann im Sinne der automatisierten Korrektur.

00:23:21: Richtig.

00:23:22: Ist es dann auch dementsprechend schnell gegangen?

00:23:24: Nein.

00:23:25: Also es hat zwar immer geheißen, dass es automatisch ausgewertet wird.

00:23:28: Ich glaube aber nicht, dass das jemals passiert ist.

00:23:31: Genau weiß ich es nicht. Das ist schon deutlich schneller gegangen als die Korrektur der Hauptprüfung.

00:23:36: Aber trotzdem hat es einen Monat oder eineinhalb Monate gedauert.

00:23:39: Das testet natürlich auch, wie sorgfältig du arbeitest.

00:23:43: Völlig richtig.

00:23:44: Auch bei dir wäre natürlich eine Nachfrage.

00:23:46: Und zwar einerseits hat es da schon irgendwelche Änderungen zu Michaels Prüfung gegeben.

00:23:52: Und andererseits, es ist doch durchaus so, obwohl das EPA natürlich mit größter Sorgfalt die Prüfungen vorbereitet,

00:23:59: hat es irgendwelche Fehler bei der Prüfung gegeben bei dir?

00:24:02: Es ist so, dass vor 2017 die EQE im Hinblick auf die Teile A und B,

00:24:09: also die Ausarbeitung einer Anmeldung und die Bescheidserwiderung,

00:24:12: in zwei Flavors gekommen ist, nämlich einmal für die Elektrotechnik-Maschinenbauer

00:24:18: und einmal für die Chemiker.

00:24:19: Das war doch bei dir noch,

00:24:20: Michael.

00:24:21: Das war bei dir noch so.

00:24:22: Und das hatte den Nebeneffekt, dass die wirklich extrem unterschiedlich waren,

00:24:27: weil die Elektrotechnik-Maschinenbauprüfungen waren extrem fokussiert auf wahnsinnig funktionelle Anspruchsformulierungen

00:24:34: und einen unabhängigen Vorrichtungsanspruch zu formulieren, der alle möglichen Ausführungsvarianten erschlagen hat

00:24:40: und trotzdem neu und erfinderisch war,

00:24:42: wohingegen die Chemieteile halt sehr chemiepraxisorientiert waren.

00:24:46: Das heißt, die waren eher mit technischen Effekten, Suchen aus Tabellen und in der Regel auch mehreren unabhängigen Ansprüchen zu formulieren,

00:24:54: also einen Verfahrensanspruch, einen Verwendungsanspruch oder gegebenenfalls einen Second Medical Use Claim

00:25:00: und hat dann doch auch zu durchaus unterschiedlichen Durchkommensraten geführt,

00:25:03: wenn man die beiden miteinander verglichen hat.

00:25:06: In meinem Jahr war das erste Jahr,

00:25:07: dass diese Teile zusammengelegt worden sind.

00:25:09: Das heißt,

00:25:09: es hat diese Unterscheidung in unterschiedlichen technischen Bereichen nicht mehr gegeben.

00:25:14: Und wir hatten den A- und B-Teil quasi mit kombinierten Beispielen.

00:25:19: Das heißt,

00:25:19: mein A-Teil war ein Geschirrspüler-Tab und mein B-Teil war ein Messgerät für Vitalwerte,

00:25:28: die man als Handschuh oder als Kopfband verwenden kann.

00:25:31: Es ist schön, dass man sich so gut daran erinnern kann.

00:25:34: Würdest du sagen, irgendein Teil war schwieriger,

00:25:36: irgendein Teil war einfacher?

00:25:38: Es war ungewohnt und was ich schon gemacht habe in der Vorbereitung mit meinen Prüfungskolleginnen und Kollegen,

00:25:44: war, dass wir tatsächlich sowohl Elektrotechnik-Maschinenbau-Beispiele als auch Chemie-Beispiele geübt haben,

00:25:49: weil wir nicht gewusst haben,

00:25:50: wohin sich welches Beispiel orientiert.

00:25:52: Und zumindest in meiner Zeit war es dann doch so und auch in den vorangegangenen Jahren,

00:25:56: dass entweder der A-Teil mehr in die Richtung Elektrotechnik und Maschinenbau gegangen ist

00:26:02: und der B-Teil dann entsprechend in die Chemie oder umgekehrt.

00:26:06: So, und als Letzten in der Runde haben wir noch den Gerd Hübscher bei uns.

00:26:10: Gerd, wann hast du deine europäische Eignungsprüfung gemacht und was gab es da?

00:26:14: Ich meine, das Spannende war,

00:26:16: dass ich ja als einer der Ersten das Vergnügen hatte,

00:26:19: die Vorprüfung zu machen.

00:26:20: Die Vorprüfung war zumindest im ersten Jahr unheimlich einfach.

00:26:24: Oder weiß ich nicht, ob sie schwerer geworden ist,

00:26:25: aber es sind ziemlich viele durchgekommen.

00:26:27: Ich glaube, wesentlich über 90 Prozent, so was in der Größenordnung.

00:26:30: Aber es war trotzdem mal ganz gut, sich intensiver damit zu beschäftigen.

00:26:33: Und daher ist dann auch die große Hauptprüfung mit ABCD-Teil

00:26:37: im Jahr darauf ganz gut gegangen.

00:26:39: Aber noch in Person in München damals,

00:26:41: im Munich Order Center,

00:26:43: kann mich gut erinnern.

00:26:44: Also sehr, sehr viele Tische,

00:26:45: sehr, sehr viele panische Menschen,

00:26:47: die mit Koffern angereist sind.

00:26:49: Zum Teil mit selbst geschreinerten Bücherregalen, die rollbar waren.

00:26:52: Also wirklich sehr faszinierend, was da für ein Aufwand getrieben worden ist zum Teil.

00:26:57: Aber inhaltlich sehr anspruchsvoll,

00:26:59: also eigentlich nicht wegen des Inhalts,

00:27:02: sondern mehr wegen des Zeitmanagements damals.

00:27:06: Was mir wesentlich in Erinnerung geblieben ist,

00:27:08: dass man einfach schauen musste,

00:27:09: dass man nicht zu viel darüber nachdenkt, sondern einfach,

00:27:12: ich habe die Worte des CEIPI-Tutors im Ohr noch: keep analyzing.

00:27:15: Und so war es denn. Also ich glaube, ich bin dann mit Beginn der Sehnenscheidenentzündung rausgegangen nach vier Tagen.

00:27:23: Es ist tatsächlich nicht zu unterschätzen,

00:27:26: was du bei dieser Prüfung in Schriftform deiner Hand antust.

00:27:30: Und wirklich drei Tage lang durchgehend zu schreiben,

00:27:33: ist echt eine Herausforderung für sich, die du vorher und nachher nie wieder haben wirst.

00:27:37: Also die ganze Zeit nur schreiben. Also du liest, ja, keep analyzing natürlich.

00:27:42: Und dann schreibst du im Prinzip die ganze Zeit nur irgendwelche Dinge nieder,

00:27:45: weil es waren ungefähr so, die Antworten waren so im Bereich der 15 bis 20 Seiten,

00:27:50: je nach Teil,

00:27:51: größenordnungsmäßig.

00:27:52: Und das alles von Hand geschrieben ist natürlich ein Punkt.

00:27:55: Eine Sache war auch der allerletzte Teil,

00:27:57: der bei uns den Einspruch betroffen hat,

00:27:59: der C-Teil, wo ich dann schon wirklich auch von der Hand her so fertig war,

00:28:03: dass ich zwei Stunden vor Schluss draufgekommen bin, in zwei Stunden ist es aus.

00:28:07: Und die Erkenntnis ist für die Motivation wirklich tödlich.

00:28:11: Und dann mich nochmal zwei Stunden zusammenzureißen und weiterzuschreiben.

00:28:16: Keep analyzing.

00:28:17: Das war wirklich eine der härtesten Übungen.

00:28:20: Wenn ich so zurückblicke, ist das Handschriftliche schon wirklich eine große Herausforderung gewesen,

00:28:24: weil man es ja aus der Praxis eigentlich nicht braucht, so viel mit der Hand zu schreiben.

00:28:27: Ich habe mir tatsächlich damals EQE-Papier ausgedruckt,

00:28:31: blöckeweise zusammengeheftet,

00:28:32: um schon auf diesem speziellen Prüfungspapier zu üben.

00:28:36: Und habe dann quasi von September weg durchgehend alles nur auf diesem EQE-Papier geschrieben.

00:28:41: Mit einer Zeile Abstand, damit man noch was einfügen kann.

00:28:45: Und habe dann so eine richtig schöne Schreibschwiele auf den Fingern gehabt.

00:28:50: Und du hast in München gesehen, die Leute,

00:28:52: die dann nach dem zweiten Tag schon die Hand geschüttelt haben,

00:28:55: die haben eine andere Vorbereitungsherangehensweise gehabt und wahrscheinlich keine Schreibschwiele.

00:29:00: Ich glaube, die verschiedensten Ansätze, also auch mit dem Einkleben von Angaben und solchen Dingen.

00:29:04: Aber mir war das immer unsympathisch, weil es ja keine Bastelarbeit werden soll.

00:29:08: Fabian, du hast das vorher schon kurz anklingen lassen, wie deine EQE abgelaufen ist.

00:29:12: Vielleicht magst du die Brücke bilden zur jetzigen Online-EQE in den sechs Teilen mit deiner Prüfung.

00:29:19: Ja, genau.

00:29:20: Also ich habe irgendwo ein Mischwesen gemacht zwischen der aktuellen EQE und zwischen der von euch geschilderten.

00:29:28: Sprich, bei mir war es tatsächlich schon online,

00:29:30: ein Jahr nach der Pandemie.

00:29:32: Ich habe aber sehr wohl die Vorprüfung gemacht. Die Vorprüfung auch schon online.

00:29:36: Das war im Wesentlichen problemlos.

00:29:38: Wie gesagt,

00:29:39: das Anhaken von Kästchen,

00:29:41: das funktioniert durchaus gut mit diesem WISEflow.

00:29:44: Und die Hauptprüfung war bei mir auf zwei Wochen verteilt.

00:29:48: Kleines Problem, was bei mir war, oder eine kleine Anekdote.

00:29:51: Ich habe Corona bekommen,

00:29:54: mir ist es richtig dreckig gegangen.

00:29:56: Aber man hat dann gemerkt,

00:29:57: die erste Woche war wirklich schlimm.

00:29:59: Aber ich habe mir gedacht, die Prüfung kann man nur einmal pro Jahr ablegen.

00:30:06: Ich versuche es trotzdem.

00:30:08: Und die ersten zwei Teile war ich dann wirklich immer durchgebeutelt.

00:30:11: Man hat gemerkt, wie ich während der Prüfungszeit wieder körperlich nach und nach abnehme.

00:30:17: Dann wieder ein Tag Pause,

00:30:18: nächste Prüfung,

00:30:19: wieder abnehmen, abnehmen, abnehmen.

00:30:21: Und die zweite Woche war dann schon okay, da war ich dann schon halbwegs gesund.

00:30:24: Und das war aus meiner Sicht schon sehr, sehr wichtig für diesen C-Teil,

00:30:28: wo man sich dann doch sechs Stunden,

00:30:30: zweimal drei Stunden war es bei mir,

00:30:32: mit einer kurzen Pause konzentrieren muss.

00:30:35: Wenn ich da wirklich noch voll Corona gehabt hätte, dann bezweifle ich, dass ich das geschafft hätte.

00:30:40: So ist es dann trotzdem gut gegangen.

00:30:42: Was vielleicht nur erwähnenswert war bei meiner Prüfung,

00:30:46: ist,

00:30:47: dass ein Teil vorher,

00:30:48: also die Angaben, einen Teil dieser Angaben kann man sich schon vorher ausdrucken.

00:30:52: Das heißt, man hat dann irgendwie zehn Minuten oder fünf Minuten vorher Zeit,

00:30:56: schon kurz einmal den Stand der Technik durchzulesen, dass man sich mal vorbereitet hat.

00:30:59: Okay,

00:31:00: um was geht es denn?

00:31:01: Bei mir war es im A-Teil Papierpulpe,

00:31:04: aus meiner Sicht eine sehr kontroverse Aufgabe.

00:31:07: Und der B-Teil war herrlich,

00:31:10: das war ein Schneeschuh.

00:31:12: Da war das ja vorher eine sehr schwierige B-Aufgabe.

00:31:15: Und da merkt man dann immer das Gegensteuern des EPA.

00:31:18: Das heißt, ich würde sagen, meine B-Aufgabe war durchaus fair schaffbar.

00:31:23: Das heißt, bei dir hat es schon die Unterteilung in den einzelnen Teilen gegeben,

00:31:27: weil wir haben ja alle noch sozusagen den A-, B-

00:31:29: und C-Teil und den D-Teil.

00:31:31: Und zwar D1 und D2 gemeinsam in einer Sitzung durchgeschrieben.

00:31:36: Und der Prüfungstag,

00:31:38: den ich eigentlich am schlechtesten in Erinnerung habe,

00:31:40: war der zweite Tag mit dem A- und B-Teil, da

00:31:42: hat man in der Früh den A-Teil geschrieben und am Nachmittag den B-Teil.

00:31:46: Und

00:31:47: zumindest,

00:31:47: ich glaube,

00:31:48: das war bei uns allen so,

00:31:49: war

00:31:50: es nicht mehr so, dass man den B-Teil zum A-Teil geschrieben hat, sondern

00:31:52: dass es zwei getrennte Beispiele waren. Weil

00:31:54: früher war es so, dass man in der Früh den A-Teil,

00:31:58: die

00:31:58: Anmeldung geschrieben hat und dann den Bescheid zu der Anmeldung beantwortet hat

00:32:01: und dann vielleicht schon mit der Angabe des B-Teils gewusst hat,

00:32:05: beim A-Teil ist es vielleicht nicht so gut gegangen.

00:32:08: Bei mir war es wirklich,

00:32:09: das waren zwei völlig unabhängige Aufgaben

00:32:13: und auch an unterschiedlichen Tagen zu absolvieren,

00:32:15: was für die Konzentration natürlich förderlich ist.

00:32:17: Also ich glaube, da sieht man durchaus, dass jedes Jahr

00:32:20: seine eigenen Herausforderungen mit sich bringt.

00:32:23: Für diejenigen unter Ihnen, die es speziell interessiert,

00:32:26: gerade unsere Staffel 1 haben wir eigentlich als Vorbereitung

00:32:29: auf die europäische Eignungsprüfung konzipiert, zumindest für die einführenden Teile.

00:32:34: Wer da mal vorbeischauen mag, ist herzlich eingeladen.

00:32:38: Und im Übrigen herzlichen Dank fürs Dabeisein. Bis zum nächsten Mal.

00:32:42: Bis zum nächsten Mal.

00:32:47: Das war ein IP-Courses-Podcast.

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